Angst & Lebensfreude


In den letzten Tagen sind diese Selbstzweifel wieder aufgetaucht. Es ist komisch, manchmal hat man sie gut im Griff, und plötzlich und ohne Vorwarnung schlagen sie wieder mit voller Wucht zu. Obwohl man nichts falsch, oder anders als sonst gemacht hat. Und ich glaube, dass auch Selbstzweifel mit Hochsensibilität zusammenhängen können. Diese Sensibilität, die in uns ist, ist verbunden mit vielen Selbstzweifeln und manchmal auch Angst. Je mehr ich sehe und spüre, desto angsteinflössender scheint die Welt zu sein. Ständig sind diese Zweifel da, ob ich das richtige tue, ob ich als Mensch überhaupt richtig bin, ob ich dazugehöre. Manchmal kann ich gut damit umgehen, weil ich Leute um mich habe, mit denen ich darüber reden kann. Und manchmal bin ich nur noch überwältigt und überfordert mit all den Gefühlen, Eindrücken und Sinneswahrnehmungen.


Ich will nicht sagen, dass diese Zweifel nur etwas negatives oder nur belastend sind. Aber manchmal fühlt sich alles schwer an. Und manchmal habe ich das Gefühl, der einzige Mensch zu sein, der das wahrnimmt. Wenn jede Entscheidung und jeder Schritt so viel Mut und Willenskraft braucht. Jedes Wort, dass ich sage, geht erst durch zehn Filter hindurch, bevor es die Erlaubnis hat, aus meinem Mund zu kommen. Und die Angst, nicht ernstgenommen zu werden, wenn ich über meine Gefühle, Eindrücke und Gedanken spreche.


Ich habe viel Angst. Dabei möchte ich keine Angst haben.


Manchmal, wenn ich wieder diese Angst und Zweifel in mir spüre, hilft es mich daran zu erinnern, dass es noch etwas grösseres gibt. Etwas, das mich genau so richtig findet, wie ich bin und mir das Gefühl gibt, genug zu sein. Ich möchte hier niemandem zu nahe treten, jede Person hat ihre eigenen Strategien. Aber bei mir ist der Glaube sehr hilfreich. Der Glaube daran, dass ich geliebt und mit meinen eigenen Stärken am richtigen Ort bin. Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dass meine Stärken niemand sieht oder wertschätzt, ich weiss, sie sind da und vor allem, sie sind wertvoll.


In der Bibel gibt es ein wunderschönes Buch, das der Prediger heisst. Der Schreiber dieses Buches beobachtet die Welt und sieht, wie ungerecht sie ist. Er sieht, dass alle Mühe, etwas verändern zu wollen, schlussendlich scheitert und manchmal einfach alles sinnlos erscheint. Er verliert die Hoffnung. Jedoch kommt er zu einer interessanten Schlussfolgerung. Er kommt zur Erkenntnis, wie wichtig es ist, sein Leben trotzdem zu geniessen. Zu essen, zu trinken, zu lachen. Diese Lebensfreude behalten. Niemand weiss, was später kommt, was passiert und wie sich die Dinge verändern. Also geniesse dein Leben, meint er.


Der Prediger ist eines meiner Lieblingsbücher, und ich merke immer wieder, wie wahr seine Worte für mich sind. Auch ich sehe Ungerechtigkeit, auch ich verzweifle manchmal fast ab dieser Angst in mir. Und trotzdem, meistens bringt es nicht besonders viel, sich in dieser Angst zu verlieren. Das Leben ist jetzt, und ich sollte es jetzt geniessen. Ich sollte nicht so streng mit mir sein, und Dinge unternehmen, die mir guttun. Ich weiss, dass das stimmt, und trotzdem fällt es mir immer wieder wahnsinnig schwer, das umzusetzen. Trotzdem, es tut gut, diese Worte immer wieder zu lesen. Man darf sich etwas Gutes tun. Man darf trotz schwieriger Umstände das Leben geniessen.


Was ist wichtig im Leben? Ich denke, egal an was du glaubst, ob du wie ich an Gott glaubst, ob du an ein Universum glaubst, ob du überhaupt an etwas glaubst, es ist wichtig, sich immer wieder vor Augen zu halten, dass man gut ist, und zwar genau so, wie man ist. Nicht, wie man sein wird oder gerne sein würde. Aber wie man jetzt ist. Trotz Angst, trotz Selbstzweifeln. Ich bin angenommen und geliebt. Auch von mir selber. Es ist gut so, wie es ist. Alles wird gut. Ich vergesse das immer wieder. Die Angst ist ein Automatismus, und ich muss mit aller Kraft und mit allem Glauben, den ich habe, dagegenhalten.

Und auch Hoffnung zu haben ist wichtig. Hoffnung darauf, dass alles irgendwie gut kommt. Ich kann an mir selber arbeiten, mich verbessern, wenn ich das gerne tue und es mir guttut. Aber ich muss mir keinen Zwang antun. Ich muss nicht perfekt sein. Wir sind Menschen. Es ist nicht unsere Aufgabe, perfekt zu sein. Wenn ich Hoffnung habe, dass irgendwann alles gut kommt, muss ich kein perfektes Leben führen. Ich kann den Druck von mir wegnehmen, alles richtig machen zu müssen. Es ist gut so, wie es ist. Es muss nicht perfekt sein.


Ich weiss, dass diese Dinge so einfach gesagt und so schwer umzusetzen sind. Es ist etwas, dass im Leben immer wieder kommt, wenn man mit Angst zu kämpfen hat. Aber es ist gut, wenn man darüber Bescheid weiss und vielleicht sogar Strategien hat, mit dieser Angst umzugehen. Manchmal gibt es Phasen, das geht es mir gut, aber irgendwann kommen die Zweifel immer zurück. Und dann bin ich vorbereitet. Es ist nicht schlimm, dass diese Angst wieder da ist. Ich kenne sie ja bereits. Und sie gehört zu mir.


Angst ist auch nicht nur schlecht. Ich glaube, es besteht ein Zusammenhang zwischen Hochsensibilität und Angst. Und wie ich schon in früheren Blogs geschrieben habe, denke ich, ist Hochsensibilität auch eine grosse Stärke. Wir sind Menschen, die so viele Gefühle in uns haben. Die die Welt mit allen Sinnen intensiv wahrnehmen und so auch andere Menschen verstehen können. Das ist eine wahnsinnig wertvolle Eigenschaft. Ich weiss, es gibt viele Menschen, die das nicht verstehen oder nicht wertschätzen. Und das ist schwierig, denn im Endeffekt möchten wir einfach verstanden werden und Wertschätzung bekommen, für das, was wir sind. Aber diese Menschen sind nicht alle. Und vor allem sind sie nicht wir selber. Denn ich bin am richtigen Ort, mit meinen eigenen Stärken, und es ist gut, wie es ist.

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